Dorsten-Aktuell


17.08.2017
 

"Manche mögen es exotisch“

Tiger, Affen & Co. in den eigenen vier Wänden

Manche mögen es exotisch: Schlangen, Spinnen oder Echsen sind für einige Tierliebhaber die deutlich aufregenderen Mitbewohner als etwa Hunde oder Katzen. Die Haltung exotischer Haustiere ist nicht nur aus Gründen des Tier- und Artenschutzes bedenklich, sondern auch gesundheitsgefährdend, betont der Bund Deutscher Tierfreunde e.V.

Gerade im nahenden Herbst werden wieder in vielen Städten sogenannte "Tierbörsen" veranstaltet, bei denen exotische Tiere wie Schlangen, Kaimane, Leguane, Agamen, Spinnen, Chamäleons, Frösche und vielen anderen Tiere angeboten werden. Wie viele andere Tierschutzorganisationen fordert auch der Bund Deutscher Tierfreunde eine starke Einschränkung oder ein Verbot der privaten Haltung von exotischen Tieren.

Die Gefährlichkeit von exotischen Haustieren basiert nicht nur aus Giftigkeit, Körper- und Beißkraft, auch die Zoonose- Gefahr muss berücksichtigt werden. Die Risiken der Krankheitsübertragung durch exotische Haustiere sind nicht nur theoretisch vorhanden, sondern sehr realistisch. Immer wieder gibt es Erkrankungen besonders bei Kindern durch Übertragung von Krankheitserregern.
Der Bund Deutscher Tierfreunde appellierte an alle Tierfreunde, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Es sollte Jedem einleuchten, dass exotische Tiere nicht in ein deutsches Wohnzimmer gehören. Dies zeigten nicht zuletzt die immer häufiger auftauchenden Schlagzeilen über Exoten wie etwa Schlangen, die ihren Besitzern entwischt oder von ihnen ausgesetzt worden sind. Dies ist nicht nur für die Menschen gefährlich, auch für die Tiere endet die unsachgemäße Haltung meist tödlich. „meinDorsten.de“ sprach mit einer Expertin für Exoten, Tierärztin Frau Dr. Dörnath.

"meinDorsten.de":
Frau Dr. Dörnath, können Sie als Tierärztin beschreiben, wie sich die Tierhaltung von Exoten in den letzten Jahren verändert hat?
Frau Dr. Dörnath:
Die private Haltung von exotischen Wildtieren hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Immer mehr Menschen wollen statt eines Hundes oder einer Katze, eine Riesenschlange, ein Chamäleon oder einen Präriehund halten.
Die Tiere werden in großer Zahl und nahezu unkontrolliert über das Internet und bei sogenannten Exotenbörsen verkauft. Exotenbörse sind flohmarktähnliche Veranstaltungen, bei denen die Wildtiere aus aller Welt wie Ramschware feilgeboten werden.

"meinDorsten.de":
Warum, glauben Sie, ist das so?
Frau Dr. Dörnath:
Die Haltung eines exotischen Wildtiers geht oft mit dem Wunsch nach Profilierung einher. Dabei kommt es dann weniger auf das Tier an, sondern mehr darauf, was es darstellt. So gibt es auch zahlreiche Privatpersonen, die hoch giftige Schlangen halten und sich und andere damit in Lebensgefahr bringen.

"meinDorsten.de":
Welche Exoten sind besonders beliebt?
Frau Dr. Dörnath:
Derzeit sind Reptilien sehr beliebt, auch exotische Fische werden in großer Zahl gehalten. Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht.

"meinDorsten.de":
Würden Sie zustimmen, dass gute Reptilienhaltung für die Menschen schwieriger umzusetzen ist als das gelungene Zusammenleben mit Hund und Katze?
Frau Dr. Dörnath:
Ich bin der Ansicht, dass Reptilien grundsätzlich nicht in Gefangenschaft und erst recht nicht in Privathaushalten gehalten werden sollten. Diese Tiere sind, anders als domestizierte Tiere, wie Hund oder Katze, nicht an ein Leben in der Nähe des Menschen gewöhnt. Sie haben sich evolutionär an ihren natürlichen Lebensraum angepasst. Dieser lässt sich in einem kleinen Glaskasten im heimischen Wohnzimmer nicht simulieren.
Besonders problematisch ist, dass man Reptilien nicht ansieht, wenn sie sich unwohl fühlen. Dabei sind gerade diese Tiere besonders empfindlich. Kleinste Fehler des Reptilienhalters, wie falsche Klimabedingungen, Fehler bei der Lichtversorgung, der Fütterung, dem Handling, der Vergesellschaftung oder der Hygiene, führen zu Erkrankungen und nicht selten auch zum Tod. Wenn ein Reptil deutliche Krankheitsanzeichen wie Bewegungsunlust oder Appetitlosigkeit zeigt, ist der Krankheitsprozess häufig so weit fortgeschritten, dass keine Heilung mehr möglich ist.

"meinDorsten.de":
Welchen Fehler machen die Leute bei der Anschaffung?
Frau Dr. Dörnath:
Viele Halter unterschätzen die Bedürfnisse von exotischen Wildtieren, insbesondere Reptilien. Sie denken dies wären genügsame Tiere, die wenig Pflege brauchen, dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Eine aktuelle Untersuchung belegt, dass in Deutschland über die Hälfte der Reptilien in Gefangenschaft durch Fehler des Halters stirbt!

"meinDorsten.de":
Sollte man Ihrer Meinung nach keine Reptilien mehr halten?
Frau Dr. Dörnath:
Ja, man sollte die Haltung auslaufen lassen. Vor allem der Import von Wildfängen und der Verkauf auf Tierbörsen sollten sofort verboten werden.

"meinDorsten.de":
Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem bei der Exotenhaltung?
Frau Dr. Dörnath:
Es gibt so viele Probleme, dass man das kaum sagen kann. Generell ist festzustellen, dass das grundlegende Problem systemimmanent ist: der natürliche Lebensraum der Tiere lässt sich nicht im deutschen Wohnzimmer zwischen Couchgarnitur und Schrankwand simulieren. Die Folge der nicht artgerechten Haltung sind kranke, gestresste, verhaltensgestörte Tiere, die oft nach kurzer Zeit versterben.

Es müssen nicht immer Hund, Katze oder Meerschweinchen sein. Auch andere Tierarten, wie Spinnen, Reptilien, Mäuse und Ratten sind als Haustiere beliebt. Manche Menschen erfreuen sich an ihrem Anblick und geraten ins Schwärmen, bei anderen lösen sie Ekel und Angst aus. Gefährliche Arten verlangen nach einem verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren. Viele Tierhalterinnen und Tierhalter rechnen nicht damit, wie viel die laufenden Kosten der Tierhaltung betragen, gerade wenn das Tier bei der Anschaffung nur ein paar Euro gekostet hat. Und „Learning by Doing“ ist Tierquälerei.


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